Montag, 27. Mai

Montag, 27. Mai

Die (Frauen-)Herzen schlagen höher: heute ist shopping angesagt. Salta wartet auf einen Schwarm konsumtechnisch ausgehungerter Semiseristi und sorgt dafür, dass von A wie Alpaka bis Z wie ……… alles in den Auslagen frisch drapiert ist. Zum Erholen zwischendurch und Seele baumeln lassen, laden Parks, Arkaden und Sonnenplätze an Cafetischen ein. Munter flattern Pesos über die Ladentische. Besonders begehrt sind Silberschmuck, Ledertäschchen und -Assesoirs, Ponchos und Mützen aus Alpaka-Wolle, süße Kreationen aus Dulce di leche, einer Caramelcreme, die für den Norden Argentiniens sehr typisch ist. Vergessen ist das sich langsam anhäufende Schlafdefizit („schlafen können wir wieder, wenn wir zuhause sind“), die Unpässlichkeiten der Hotelzimmer (zu harte Betten, zu weiche Betten, kalte Füße bei Nacht, dicker Kopf am Morgen… usw.). Grüppchen finden sich und lösen sich wieder auf, fröhliche Begegnungen im Park („Was – du auch hier?“), Unterstützung aller Orten („Hast du eine Idee, was ich meinen Töchtern mitbringen kann?“). Ach, es tut so gut, ein wenig auf eigenen Faust herumzustromern! Um 14h geht es wieder weiter. Ähm, hätte es weiter gehen sollen, aber ein Sopranistin steckte plötzlich im Fahrstuhl fest. Zum Glück dauerte die Befreiung nicht sehr lange und die Weiterfahrt konnte mit kurzer Verspätung aufgenommen werden. Ziel:Tilkara, ein Indiodorf, das zum Weltkulturerbe gehört und das uns als Basislager für die Erklimmung eines Viertausender-Gipfels dienen sollte.Wieder faszinieren uns die vielfarbigen Berge, die sich links und rechts der Straße erheben und in der Abendsonne aufleuchten. Dank des gemäßigten Tempos unseres Gefährtes, haben die Fotografen keine Mühe, ihre Motive scharf zu bekommen und die Magenschwachen und Reisekranken überstehen die Kurven ohne größeren Schaden anzurichten.

Ein ausgedehnter Friedhof an einem westlichen Berghang lädt ein, ein wenig über die Vergänglichkeit des Lebens nachzusinnen. Und schon sind wir in Tilkara angekommen. Fleißige Helfer übernehmen den Transport der Koffer vom Busparkplatz zum Hotel. Flache Pueblobauten empfangen uns mit heimeligen kleinen Wohnungen und einem überdachten Sitzplatz. im Grünen. Schnell sind die Zimmer bezogen – inzwischen hat sich ja schon eine gewisse Routine breitgemacht. Toiletttäschchen, Hausschuhe, Nachtgewand, Schmusekissen, alles bekommt seinen Platz. Klo und Spülung wird gecheckt, Hände gewaschen und Frisur gerichtet – schon ist man/frau wieder bereit für neue Taten. Was heißt: sich was zu essen besorgen im Dorf, über das allerdings schon die Dunkelheit hereingebrochen ist. Dennoch finden wir alle einen freundlichen Wirt und lecker Humitos, Empanadas, Lama-Braten und andere Delikatessen. Auch die Kirche wird gleich besichtigt, in der morgen das Konzert stattfindet. Im 17.Jh. wurde mit dem Bau begonnen – erzählt uns der Messner – und über 100 Jahre lang gebaut.Alles wurde mit Handarbeit geschafft! Die großen tragenden Balken mussten aus Salta mit Mulis hinausgeschleppt werden. Die Querbalken wurden aus Kakteen geschnitten und getrocknet.Die Ziegel aus Lehm mit Stroh und Tierexkrementen hergestellt. Wir sind sehr beeindruckt. Dann heißt es rasch ins Bett, weil morgen der Sonnenaufgang auf der Inkafestung Puchara, die zu Fuß vom Dorf aus zu erreichen ist, genossen werden ‚darf‘.

Bettina