Sonntag, 26. Mai

Sonntag, 26. Mai

Sonntag, 26. Mai 2013

Von Cafayate nach Salta – der Tag war so voll und lang (7:30 bis 3:15!), dass hier wirklich nur das Allerwichtigste in kurzer Form berichtet werden kann.

Um 7:30 beginnt der Tag im Hotel Los Sauces mit einem für argentinische Verhältnisse relativ üppigen Frühstück. Durchs Fenster des Frühstücksraumes blickt man auf die Kette der Cumbres Calchoquies, die sich langsam in die Sonne schiebt, dem vollen Mond entgegen.

9:00 – exakt auf die Minute Abfahrt mit unserem immer trägeren Bus, der sich inzwischen mit einer Reisegeschwindigkeit von 30 bis 50 km/h durch die Landschaft schiebt.

Wir durchqueren eine der berühmtesten Weingegenden Argentiniens, Weingut reiht sich an Weingut. Unser Reiseleiter empfiehlt, sich die Namen der wichtigsten in seinem Terminkalender für einen späteren Besuch zu notieren, zum Beispiel Michel Torino, Orego da Rosa.

10:05 bis 11:20

Besichtigung des „Teufelsschlundes“ – Garganta del diablo; ein schmaler schluchtartiger Bergeinschnitt, der sich nach hinten zu einem großen saalartigen Rund mit hervorragender natürlicher Akustik erweitert.

In verschiedenen Aufstellungen bringen wir neben anderen Musizierenden (Okarina-, Gitarren-Spielern und Sängern) unseren irischen Reisesegen, „Da unten im Tale“ und Manuels Alleluja zur Aufführung. Ein besonderes Bonbon ist die kleine improvisierte Combo mit Peter Winniger am Saxophon, Guillermo Lopez, Flöte und ein Einheimischer, Gitarre, die das Stück „The Girl from Ipanema“ spielen.

Nebenbei wurde hier vom Chor-Orrnithologen Vogel Nummer 35 notiert, der „Zorzal negro“, Turdus serranus (auf deutsch „Glänzende Schwarzdrossel“); sieht fast aus wie eine Amsel (Turdus merula), mit der er auch verwandt ist. Er präsentierte sich so fotogen, dass die feinen Unterschiede im Foto erkennbar sind. Das ist zwar jetzt kein so spektakulärer Vogel wie es andere waren, aber außer Spatz, Star und Stadttaube ist jeder Vogel hier eine Neuigkeit für uns Europäer.

Die Fahrt geht weiter an der Nr. 68 von ursprünglich mal 2800 Höhenmetern auf am Ende nur noch 1200 m immer weiter in Richtung Norden.

Um 12:10 gibt’s einen kurzen Zwischenstopp am Ort „Alemanía“ – da muss es einfach ein Gruppenfoto geben vor malerischen Kakteen und dem Ortsschild mit dem spanischen Namen unserer Heimat.

Es wird da auch ein kreisender Greifvogel gesichtet: Nr. 36, Jote abeza colorado; die deutsche Übersetzung des englischen Namens (Turkey vulture) heißt wohl Truthahn-Geier.

15:00 – 17:10 Villa „La Lucinda“ in Salta.

Traumhaftes Ambiente und eine unglaublich reichhaltige Bewirtung durch den „Coro suono libero“ der italienischen Gesellschaft in Salta.

Lauter junge, hübsche Leute, die später noch wunderbar singen werden, haben uns vielfach fotografierte Fleisch-Tabletts, Saucen in allen Farben und sündhaft süße Nachspeisen aufgetischt.

Hier gibt’s schon bekannte „Südliche Kiebitze“ (Tero común) und einen verwegen aussehenden Trupp von Pirinchos (Nr. 37 Guina-Kuckuck)

Doch die Fahrt geht noch ein Stückchen weiter, mitten rein in die 600.000-Einwohner-Stadt Salta.

17:45 Einchecken in Salta; Hotel Casablanca.

Viel Zeit zur Einrichtung besteht nicht, denn gleich um 18:45 geht´s mit dem Bus zur Iglesia Medalla Milagrosa.

Ab 19:15 die üblichen Zeremonien von Stellprobe, Einsingen, Umziehen, Warten, Programm-Ungewissheiten, …)

20:00 Gottesdienst mit Chorstücken vom Coro suono libero, einem Sänger mit verstimmter Gitarre und unseren Beiträgen „Alleluja“ und „Irish blessing“. Die Kirche ist gut gefüllt und bleibt es auch zu unserem anschließenden Konzert (ab 21:45), das mit vier Stücken unseres Gastgebers beginnt. Wir setzen fort mit „Nunc dimittis“ und der üblichen Auswahl von Liedern über glückliche und unglückliche Liebe, Schwäbischem und Waldromantik, Internationalem wie El Hambo ( – wieder der Publikumsliebling!) und unsere spanische Zugabe „Los pajaros“. Etwas gewagt ein gemeinsames „Ave verum“, was aber der tollen Stimmung keinen Abbruch tat.

Erst um 23:45 startete dann unser Abendesssen in einer Penja, das ist eine Wirtschaft, in der in den verschiedensten Räumen in den verschiedensten Besetzungen ganz spontan folkloristisch wie selbstverständlich musiziert wird.

Auf besondere Wertschätzung stießen dabei natürlich die argentinischen Jungs unseres Gastgeberchores … <3 [SMS-Kürzel für „Herzchen“]

Eine Geschichte muss hier noch ausführlich erzählt werden, denn sie hängt ganz eng mit den allerersten Anfängen unseres Chores zusammen.

Es geht um Pablo Pagano, er hat in Tübingen Katholische Theologie studiert. Er hat aufgezählt, wo er überall in unserer Gegend als junger Priester schon Gottesdienste gehalten hatte – Bierlingen, Börstingen, … und da fiel auch der Name „Wachendorf“. Frank hatte schon bei Pablos erstem Auftreten an diesem Abend das Gefühl, dieses Gesicht von irgendwo her zu kennen. Später löste sich die Geschichte auf: Pablo war vor Jahren als junger Priester Vikar in Wachendorf, Frank Schlichter zur gleichen Zeit Organist.

Nebenbei bemerkt – aber weniger zufällig – ist es die alte Freundschaft zwischen Guillermo und Pablo, die dazu führte, dass der Solist der ersten Konzerte von Semiseria eben auch jener Pablo war.

Wieder zu den Zufällen zählt aber die Fahrt mit Pablos altem Ford Falcon, Baujahr 1974, den auch schon der 18-Jährige Pablo mit dem damals 15-jährigen Guillermo zu ähnlichen Abenteuern genutzt hatten. Er bot sich als Taxifahrer ins Hotel an, aber auf Umwegen zu einem Aussichtspunkt mit Blick über die Stadt und den wichtigsten Gebäuden der schönen Stadt Salta … und schon war 3 Uhr vorbei.

Thomas