Sonntag, 19. Mai – Reise ins Paradies

Sonntag, 19. Mai – Reise ins Paradies

Sonntag, 19.05.2013

Erstes Erwachen in Buenos Aires und Frühstück im Hotel Viasui mit Kaffee, Hörnchen und Mate.

Ein Ausflug mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Tigre Delta war angesagt: in Wirklichkeit war es eine Reise ins Paradies. Aber nun erstmal der Weg: ca. 40 Leute in Bewegung zu setzen ist eine große Herausforderung. Einer vergisst die Tasche, die Zweite muss noch mal schnell aufs Klo, am Ende stürmt der Mate-getränkte gutaussehende Reiseleiter voraus, die schnatternde Schar hinterher. Nach 2 Stationen in der „Subte“ (U-Bahn) stiegen wir um in den Zug nach Tigre. Eine Stunde gerührt und geschüttelt und mit gefühlten 30 km/h gab einen guten Einblick in die Sonnen- und Schattenseiten der Stadt: schicke Glasbauten, verrottete Hochhäuser, Wellblechhütten am Bahndamm, Pferderennbahn und Golfplatz, kilometerlange lauschige Einfamilienhaussiedlungen. Dazwischen eine Mischung aus europäisch-herbstlicher und tropischer Vegetation.

Magisch war die Fahrt auf den verzweigten Wasserarmen der beiden Flüsse Rio Parana und Rio Uruguay. Wir rauschten an aufgeständerten Holzhäusern mit jeweils eigenem Anlegesteg, manchmal romantisch, manchmal stattlich, teils Down-by-Law-mäßig. Früher lebten in diesem Gebiet ca. 100.000 Leute vom Obst- und Gemüseanbau, heute leben dort noch 10.000, die teils mit Booten zur Arbeit und in die Schule pendeln.

Nachdem wir eine der größeren Schiffahrtsstraßen kreuzten, die nördlich nach Uruguay und Brasilien und südlich ans Meer führt, kamen ins wenig bewohnte UNESO-Naturschutzgebiet. Dort gibt es u.a. Wasserschweine (wiegt so viel wie ein etwas schwereres männlichen Chormitglied), Schlangen, schwimmende Hirsche, Kolibris und Papapeien.

Am Ziel wurden wir dann sehr herzlich von Ana, Richard und ihrem Sohn Matias und den freundlichen Helferinnen, im Los Pecanes begrüßt (www.hosterialospecanes.com). Es war – anders ist das nicht zu beschreiben – ein Paradies: das Haus, der Garten, die unzähligen Kolibris direkt an der Vogeltränke am Haus, der hauseigene Dschungel, die seltenen Guan (Penelope obscura = dunkle truthahnähnliche gefiederte Gefährten) durch den wir geführt wurden und last but not least die Bewirtung. Zwei Stunden lang folgte ein Gaumenschmaus auf den nächsten, zartes, schmackhaftes Fleisch am Gartengrill zubereitet, ein gigantisches Salatbuffet (also das mit den Erdnüssen im Weißkraut mache ich daheim mal nach), sehr guter Wein und – finalmente – ein pervers leckeres Nachtischbuffet. Paradiesisch eben. Und all dies wurde – so geht das Gerücht – inszeniert, um den heutigen Geburtstag unseres tiefsten Basses zu würdigen, denn so ein schönes Erlebnis kann doch eigentlich kein Zufall sein.

Wir wären nicht Semiseria, wenn wir nicht unsere Sangeskunst an allen mehr oder weniger passenden Orten zum Besten gäben: in der U-Bahn-Station, auf dem Bahnhof Retiro, dem Schiff, im Zug. Und dazwischen wurden immer fleißig in kleineren Gruppen Text und Töne geprobt. Richard von Los Pecanes war sehr gerührt von unserem Irish Blessing (und viele weinten mit). Krönender tönender Abschluss war das Abschiedslied „El Hambo“ für unsere Nachwuchsreiseleiterin in der Bahnhofhalle. Fazit Tag 2: Ein äußerst entspannender und gelungener Tag. Muchas Gracias an unseren argentinischen Leitwolf, dass er seine außergewöhnlichen persönlichen Kontakte mit uns teilt.

Bärbel