23. Mai – Durch die feuchtwarme Pampa ins quirlige Tucamán
Donnerstag, 23. Mai 2013
Etwa um Mitternacht verlassen wir Rosario Richtung Tucamán. Schnell haben sich alle im Bus eingerichtet und bald wird es auch ruhig, denn die meisten sind müde von Konzert, Pizza und Rotwein. Nur hinten in der letzten Reihe verbreitet Uli V. mit der Gitarre noch etwas Lagerfeuerromantik und schart eine kleine Gruppe von Fans und Groupies um sich. Musikalischer Höhepunkt: „Ein Bett im Kornfeld“ (alle 12 Strophen). Doch bald wird von den vorderen Sitzreihen ein Emissär ausgeschickt, der höflich aber bestimmt dazu auffordert, jetzt doch die Nachtruhe einzuhalten.
Nach einer nicht wirklich bequemen Nacht finden wir uns bei Sonnenaufgang gegen 7 Uhr mitten in der Pampa (!) auf einer schnurgraden Straße wieder. Die Fensterscheiben sind beschlagen und wir können – eingeschlossen in die feuchtwarme Blase unseres Busses – die von Nebelschwaden durchzogene Landschaft um uns herum nur erahnen. Zunächst ist es hügelig, dann wieder topfeben. Niedriges Buschwerk, vereinzelte kleine Bäume, große Feigen- und Kandelaberkakteen ziehen an uns vorbei, ab und zu ein paar Rinder oder Pferde, selten ein Haus oder ein kleiner Weiler mit einem bellenden Hund. Bald verwandelt sich die Gegend in eine karge, trockene Steppenlandschaft. Ein erster Halt an der Straße bei dem Städtchen Loreto, wo die erfreuten Besitzer einer kleinen Bar mit uns ihr Tages- oder Wochengeschäft machen. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto fruchtbarer und grüner wird es wieder. Kakteen und Steppengras werden von größeren Bäumen und Feldern abgelöst. Angebaut wird hauptsächlich Zuckerrohr – schon seit dem 17. Jahrhundert.
Um 16 Uhr kommen wir, mit zwei Stunden Verspätung, endlich an. Im Gästehaus der Universität werden wir von einer kleinen Delegation unseres Gastgeberchors freundlich empfangen und mit Hühnchen und Pommes bewirtet.Das Gästehaus liegt etwa 200 Meter über der Stadt Tucamán am Rand des subtropischen Regenwaldes und ist umgeben von mächtigen Bäumen, die wiederum ein Biotop für unzählige Epiphyten wie z. B. Bromelien sind. In der Dämmerung fahren wir noch einmal in die Stadt, wo wir in einer kurzen Führung u. a. die Kathedrale gezeigt bekommen, wo als Gauchos verkleidete Menschen in einem Gottesdienst und einem Reiterkorso gerade ihre Schutzheilige feiern. Anschließend flanieren wir in kleinen Gruppen durch die Straßen. Die Stadt ist auch wieder, wie Rosario und Buenos Aires, architektonisch geprägt von prächtigen Bauwerken des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In den Straßen herrscht jedoch ein deutlich quirligeres Leben als im eher beschaulichen Rosario. Ein stimmungsvoller Tagesabschluss: Wir sitzen vor einer Bar bei einem kleinen Abendessen, während gegenüber auf einem kleinen Platz junge und alte Menschen Tango tanzen.
Martin G.
