Dienstag, 28. Mai – Tag der Gruppenfotos
O Täler weit, o Höhen oder der Tag der Gruppenfotos
Die Nacht von Montag auf Dienstag verbrachten wir in einem Hotel im Grünen in Tilcara, ca. 2500 m über dem Meer. Dies führte dazu, dass manche aufgrund der ungewohnten Höhe eher schlecht schliefen. Der Morgen danach begann für viele mit einer kalten Dusche. In unserer „Mädels-WG“ im Gartenhaus blieb sogar das Wasser zeitweise ganz weg – auch beim Klo! Nach einem Frühstück mit Tee-Teebeuteln und Kaffee-Teebeuteln im Grünen (kalt!!!), konnte sich der Tag eigentlich nur noch steigern und das tat er dann auch… Einige Frühaufsteher erklommen bereits vor Sonnenaufgang die Inkafestung Pucará, um letzteren dort zu erleben. Nach ihrer Rückkehr bestiegen wir die drei von Guillermo organisierten Großraumtaxis, um uns weiter in die Höhen der Anden schaukeln zu lassen. Ein paar wenige fuhren, um der Höhenkrankheit sicher zu entgehen, direkt nach Purmamarca, wohin wir uns später noch begeben wollten. Zunächst aber brachten uns unsere netten Taxifahrer durch wunderschöne Täler (z. B. das Valle Colorado mit buntgestreiften Bergen) hinauf auf den Jujuy mit 4170 m. Dort legten wir eine kurze (Foto)Pause ein. Einige nutzten die Zeit nach dem ersten Gruppenfoto des Tages, um höher hinauf zu steigen und die Aussicht auf die Berge und die Salzseen zu genießen. Alle anderen konnten sich an diesem Anblick erst auf der Weiterfahrt erfreuen. Wir fuhren durch bunte Täler, vorbei an hübschen Guanakoherden und wilden Eseln bis zu den „Salinas Grandes del Noroeste“, einer von drei großen Salzwüsten in Argentinien. Ein beindruckender Ort!!! Schade, dass wir nur 15 argentinische Minuten Zeit hatten, diese Oase auszukosten: wir gingen spazieren, probierten Salzkrümel, badeten unsere Füße und bewunderten die aus Salzblöcken gebauten Häuser. Ein Highlight war der Anblick eines Linienbusses, der über den Salzsee fuhr. Nach dem zweiten Gruppenfoto des Tages machten wir uns, durch weitere grandiose Landschaften kommend, auf den Weg zu den anderen nach Purmamarca, einem kleinen, indianisch geprägten Dorf, dessen Name „wüste Gegend“ bedeutet. Dort angekommen stürmten wir hungrig die Restaurants und anschließend die vielen Marktstände, um Mitbringsel zu erstehen. Erstaunlicherweise waren wir hier bereits bekannt: im Gespräch erwähnt, dass wir ein deutscher Chor seien, lief einer der Marktstandbesitzer seine Zeitung holen und zeigte uns einen Artikel über Semiseria. Zu unserer großen Freude folgte vor der Weiterfahrt zurück nach Tilcara das dritte Gruppenfoto des Tages! …. Und stellt Euch vor: Unterwegs erfuhren wir, dass wir alle in Tilcara noch einmal die Inkafestung „Pucará“ erklimmen sollten, um weitere Gruppenfotos zu machen. Hihi!! Einen Moment dachten wir tatsächlich an Meuterei…, aber der Gruppenzwang bewog dann die meisten doch, unserem Maestro und seinen Wünschen Folge zu leisten und auf dieser Reise Gruppenfotos für die nächsten 10 Jahre zu produzieren.
Einige der wirklich schönen Ergebnisse sind nun unten stehend zu bewundern.
Zurück im Hotel war klar, dass wir nun nicht mehr an den Konzertvorbereitungen für den Abend vorbeikommen würden: wir teilten uns zu vierzigst zwei Bäder (teils mehrfach belegt) und machten uns konzertfein. Dafür hatten wir heute wirklich zwei (deutsche) Stunden Zeit! Nach einer kleinen Probe im dunklen Hotelhof machten wir uns über die Schotterpiste auf den Weg zur Kirche, in der zunächst noch eine Messe stattfand, die wir aber diesmal nicht besuchen mussten. Nach deren Ende reichte die Zeit in der Kirche noch für eine kurze Stellprobe und dann sang zuerst der „Kinderchor“ von Tilcara, bestehend aus ca. dreißig Jugendlichen. Dann waren wir dran: etwas ausgepowert und höhenbedingt luftarm, befolgten wir Franks Anweisungen, „zeigt mir die Täler und die Höhen“, vor allem im ersten Punkt. Das Publikum war zum Glück trotzdem begeistert und Frank erhielt von einem Gemeinderat eine Urkunde, weil wir der erste in Tilcara auftretende ausländische Chor waren. Schnell machten wir uns danach auf den Weg ins Hotel, um uns ins Schlafhäs zu werfen und unsere Koffer durch Pfützen und Treibsand zum Bus zu schieben, tragen und ziehen. Den Abschluss des Abends(also schon im Schlafhäs) bildetete ein kleiner Empfang des Jugendchores in einem Hotelkeller, bei dem es neben Häppchen und dem unvermeidlichen Cola von beiden Seiten schöne Gesangseinlagen gab. Gegen 23 Uhr bestiegen wir gezwungenermaßen unseren schönen Bus für die Nacht- und Tagfahrt zurück nach Buenos Aires (ca. 1600 km). Dort gab es für alle Unersättlichen noch weitere Häppchen und Wein, bevor sich langsam die Ruhe der Nacht über den Bus senkte und ein weiterer fulminanter Tag dieser Reise zu Ende ging.
Kathrin und Vera
