Miercoles, 29. mayo: Busfahrt von Tilcara nach Buenos Aires
Vorwort. Nun – was schreibt man über eine Busfahrt, die ob ihrer 1562 km endlos zu werden verspricht und die, zumindest im Vergleich zu den Highlights der Tage zuvor, wenig Aufregendes erwarten ließ? Eine Idee war, Begebenheiten zu sammeln und diese auszuführen, vielleicht zu sogar auszuschmücken.
Die Busfahrt begann kurz vor Mitternacht nach einem bewegenden Konzert und anschließendem Fest mit einem jungen Chor (Coro de Jóvenes, Leitung Hernán Gil) aus Tilcara. Bemerkenswert: eine überpünktliche Abfahrt. Für Hungrige gab es noch Käse, Brot und Wein auf die Nacht. Viele hatten eine ruhige und einigermaßen erholsame Nacht, andere hatten mit triefenden Nasen, kratzenden Hälsen und verschwundenen Stimmen zu kämpfen, und einer musste im (Alb-) Traum einen gefährlichen Kampf austragen: Mann gegen Lama, doch davon später. Vereinzelt waren noch Gespräche zu hören.
Der abnehmende Mond war schon aufgegangen, demselben fehlte ein wenig, aufgrund unserer Position auf der Erdkugel nicht an der Seite wie in unseren Breiten, sondern oben, weswegen kurz die (unrichtige) Meinung aufkam, er sei durch eine Wolke abgeschattet. – Bevor die Autorin und der Autor selbst in Morpheus‘ Armen versanken, waren sie noch Zeugen einer kurzen Diskussion zwischen vorderster und zweiter Reihe. Dabei ging es um die Frage, ob der Frontscheibenvorhang zu oder offen sein sollte. „Offen“ gewann.
Für FrühaufsteherInnen gab es eine erste Pinkelpause gegen 7:15 Uhr, die SpätaufsteherInnen durften diese um 9:00 Uhr einlegen, außerdem noch Zähne putzen, weil der Bus betankt wurde und so genug Zeit war. Noch 1000 Kilometer lagen zu diesem Zeitpunkt noch vor uns.
„Richtig“ Frühstückspause mit café con leche usw. gab es in Pinto an der RN 34 von zehn bis halb elf. Da der Chor nun langsam wach war, gab es die erste von diversen Aktivität: Geld und Geschenke für unsere Busfahrer wurden gesammelt. Überhaupt wurde die Länge der Busfahrt für kreativen und vergnüglichen Zeitvertreib genutzt: Skat, Doppelkopf, „Wer bin ich?“ und „Gesprächsstoff“ wurden gespielt; zwischendurch wurden immer wieder Häppchen gereicht oder Schokolade verteilt, wer wollte trank Wein.
Die zukünftigen MateteetrinkerInnen lernten von Guillermo, wie man denselben zubereitet:
- Mate-Kräuter 2/3 voll in das Gefäß füllen.
- Gefäß mit der flachen Hand zudecken und waagrecht schütteln.
- Wieder umdrehen, Tee mit schräger Oberfläche etwas andrücken.
- Wasser für drei bis vier Schlucke (max. 75°C) einfüllen.
- Bombilla (das typische Trinkrohr) oben zuhalten und eintauchen; vergisst man das Zuhalten, verstopfen die Poren der Bombilla.
- Trinken.
- Weitergabe stets mit Bombillamundstück auf EmpfängerIn gerichtet.
- Immer wieder Wasser nachfüllen (bis zu zwei Liter).
Nebenher konnte man vieles hören, z.B. Gerüchte über Pinguine in den Salinas Grandes, aber durchaus auch ernsthafte Gespräche. Ein Alptraum, in dem Guanacos unseren Chorleiter angriffen, fand ebenfalls aufmerksame und darob Mitleid kriegende ZuhörerInnen. Immer wieder konnte man die Monitore im Bus bei ihrer einzigen Aufgabe beobachten: dem Verpassen von Beulen an den Köpfen unserer MitsängerInnen.
In Rafaela wurde die Fahrt 40 argentinische Minuten für una cena unterbrochen.
Der Nachmittag verlief eher ruhig. Kurz vor 18:00h (da waren wir kurz vor Rosario) stieg die Stimmung vor allem im hinteren oberen Teil unseres Busses an. Die Gründe dafür waren vielfältiger Natur (s.o., z.B. Spiele), möglicherweise half auch ein wenig Wein dabei… Die Stimmung hielt bis zum Hotel an, angehalten wurde nicht mehr, und so waren wir um 21:45 Uhr da, was alle sehr freute. Das Einchecken im Hotel VIA SUI lief gut und mittlerweile routiniert.
Nach Frischmachen und den Abend mit verschiedenen mehr oder weniger Aktivitäten angehen (z.B. auf einer riesigen Videowand Oper aus dem Teatro Colón anschauen) gab es dann noch einen Schock: zwei unserer Chorschwestern wurden überfallen, sie schlugen sich aber wacker mit glimpflichem Ausgang, ¡deo gracias!
Mit erhöhter Wachsamkeit gingen danach die verschiedenen Gruppen ihren jeweiligen Vorhaben nach. Man wird vielleicht hören, dass die Letzten gegen 5:30 Uhr vom Tanzen heimgekommen sein werden.
Johanna und Norbert
