Jueves, 30. Mayo 2013 – Finalmente – Buenos Aires
Donnerstag war unser letzter vollständiger Tag in Argentinien – und der beginnt ja bekannterweise um Mitternacht und da möchte ich noch das zuletzt Beschriebene etwas ergänzen. Zwei Nächte trennten uns noch von der Heimreise und bislang gab es noch keine Gelegenheiten, unsere in einem sonntagnachmittäglichem Crashkurs in Tübingen erworbenen Fähigkeiten zum Tangotanzen in angemessener Umgebung zu testen. Für fünft wackere GefährtInnen konnten die durch die lange Fahrt etwas geschwächten Batterien mit Empanadas und Rotwein wieder ausreichend aufgeladen und ein Taxi brachte uns zu La Virutatango in der Armenia 1366 (http://lavirutatango.com/index.html#), einer Tangoschule, in der zwischen halb eins und vier Uhr das Gelernte gleich noch geübt werden konnte. Wir haben uns wacker geschlagen und waren stolz, unseren erworbenen Grundschritt ohne größere Blamagen variieren zu können – Tango ist ja eigentlich ganz einfach. Das Dämmerlicht und eine entspannte Atmosphäre erleichterten unsere Bemühungen und wir fühlten uns im Tangohimmel – bis eine unserer Damen von einem Argentinier aufgefordert wurde. Und im weiteren Verlauf waren wir dann doch erstaunt, welch virtuose Tangotänzerin bislang unerkannt unter uns weilte, wähnten wir uns doch alle fünf eigentlich auf ähnlichem Niveau. Sie habe keine andere Wahl gehabt, als all das zu tanzen, erfuhren wir nach ihrer Rückkehr von der Tanzfläche – tja das sind eben wahre Führungsqualitäten. Danach rückte jedoch die ursprüngliche Idee, eine echte Argentinierin zum Tanze aufzufordern in weite Ferne, eine Blamage wäre unausweichlich gewesen. Wir hatten auch unter uns einige sehr schöne Stunden und die argentinischen Mittänzer ignorierten wohlwollend die Laiengringos. Das Morgengrauen war tatsächlich nicht mehr weit, als wir endlich zum Schlafen kamen …
Nach Tagesanbruch wurde die freie Zeit zum Ausschlafen, Bummeln, Shoppen, Asado-Essen, Relaxen und Ausspannen genutzt, eine Besichtigungstour des Teatro Colón brachte erstaunliches zu Tage. Diese weltbeste Akustik, am besten zu hören vom „Paradies“ (leider nur bei 20%igem Blick auf die Bühne), ganz oben in den Balkonrängen unter dem 1,5 Tonnen schweren Leuchter, von dessen Innerem u.a. die Technik gesteuert wird, hat eine überaus delikate Note in seiner Entstehungsgeschichte. Nachdem der erste Architekt mit 44 Jahren an einem Herzinfarkt verstarb und der zweite beim Nachhausekommen einer Kugel des Liebhabers seiner Frau zum Opfer fiel – ebenfalls mit 44 Jahren, wurde als Nachfolger ein Herr gewählt deutlich über 44 Jahre alt, der dann den Bau tatsächlich auch 1908 vollenden konnte.
Um 17 Uhr ging es dann mit dem Bus zu unserem Abschlusskonzert in das Auditorio der anthroposophischen Fundacion St. Rafael, Ramallo 2606, Saavedra, im Norden von Buenos Aires. Organisiert vom Coro Filosofías y Letras (UBA), der uns unter Leitung von Mtro. Andrés Aciar mit „O Magnum Mysterium“ (Tomás de Victoria, 1548), „Ave Maria“ (Fernando Moruja, 1960) und „Chaya por Toconás“ (Cuchi Leguizamón, 1917) sehr würdevoll und freundlich empfing. Trotz einiger konditioneller Schwächen am Ende dieser Reise quer durch den Norden von Argentinien gelang es uns, das wohlwollende Publikum mit „Cantate Domino“ (Vytautas Miskinis, 1997), „Chanson d’Automne“ (Oskar V. de L. Milosz, 2003), „Sure On This Shining Night“ (Morton Lauridson, 2005), „Light Mass“ (Vytautas Miskinis, 2008) so zu unterhalten, dass auch nach den Zugaben – „Untreue“ (Silcher, Arrangement von Schlichter, 2010) und „Los Pájaros Perdodos“ (Astor Piazolla, Arrangement von Schlichter, 2004) ein „otra“ erschall.
Im nahegelegenen Bistro „Tomago“ feierten wir den Abschluss bei einem Umtrunk mit Tapas, Empanadas und Smalltalk mit den Gastgebern und tosendem Szenenapplaus für unsre unermüdlichen ReiseleiterInnen Guillermo, Mariann, Gudrun und Uli sowie Chorleiter Frank. Dieser „Abschlussevent“ wurde jedoch kurz nach 24 Uhr jäh von einem etwas säuerlichen Busfahrer abgewürgt, der uns wieder zum Hotel zurück brachte.
Immerhin brachten wir es an diesem frühen Morgen auf 4 Taxis, die benötigt wurden, uns anschließend nochmals zur eingangs erwähnten Tangobar „La Virutatango“ zu chauffierten. Zahlenmäßig verstärkt wiederholte sich das oben beschriebene, was unserem Spaß am Tangotanzen jedoch keinerlei Abbruch tat – wir hatten einen stimmungsvollen Ausklang in einer inzwischen fast schon heimeligen Atmosphäre.
Hans-Christoph
